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Keine Währungs-, sondern Banken- & Staatsschuldenkrise im Euro-Raum

Gastkommentar von Mag. Franz Nauschnigg:

Der Euro-Raum ist derzeit von einer sich gegenseitig verstärkenden Banken- und Staatsschuldenkrise betroffen. Der Euro schützt die Euroländer vor Währungskrisen, nicht jedoch vor Banken- und Staatsschuldenkrisen.

Die Krise im Euro-Raum ist daher nicht wie verschiedentlich dargestellt eine Krise des Euro, sondern es sind einige Mitgliedsländer von Banken- und Staatsschuldenkrisen betroffen.
Deregulierte Finanzmärkte sind instabil und entwickeln immer wieder Boom/Bust-Zyklen, die zu Finanzkrisen führen. Finanzmärkte wurden historisch immer wieder von Manien, spekulativen Übertreibungen, Paniken und häufigen Krisen gekennzeichnet.
Nach einer relativ stabilen Phase im Bretton Woods System, welches als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre geschaffen wurde und sich durch stark regulierte Finanzmärkte auszeichnete, ist es nach seinem Zusammenbruch 1971 und der danach betriebenen Deregulierung der Finanzmärkte, wieder verstärkt zu Finanzkrisen gekommen.
Der IWF hat festgestellt, dass es von 1970 - 2007 eine Vielzahl von Finanzkrisen gab - 208 Währungskrisen, 124 Bankenkrisen, 63 Staatsschuldenkrisen. Dabei kam es zu 42 doppelten Finanzkrisen (Banken- und Währungs- bzw. Staatsschuldenkrisen) und zu 10 dreifachen Finanzkrisen (Banken-, Währungs- und Staatsschuldenkrisen), bei denen die Krisen interagierten und daher besonders schwere Krisen verursachten. Bis 2011 war die Zahl auf 218 Währungskrisen, 147 Bankenkrisen, 66 Staatsschuldenkrisen angestiegen. Die schwersten wirtschaftlichen Verluste entstanden dabei durch Bankenkrisen in den Industrieländern, die im Schnitt Wachstumsverluste von 32,9 % des BIP und einen Anstieg der Staatsschulden um 21,4 % des BIP brachten; die direkten budgetären Kosten für die Bankenrettung waren mit 3,8 % des BIP dagegen relativ gering.
Die jüngsten Finanzkrisen in Europa - Island 2008, zentral-, ost- und südosteuropäische Länder (MOEL 10) 2008 und 2009, im Euro-Raum Griechenland 2010 Staatschuldenkrise, Irland 2009 Bankenkrise - haben die Anfälligkeit von europäischen Ländern für Finanzkrisen gezeigt. In Europa gibt es voll liberalisierte Finanzmärkte, jedoch eine relativ schwache Europäische Finanzarchitektur. Deregulierte Finanzmärkte sind auch in Europa instabil und entwickeln immer wieder Boom/Bust-Zyklen, die durch wirtschaftspolitische Maßnahmen im Zaum gehalten werden müssen. Die Budgetüberwachung durch die EU erwies sich als unzureichend.
Als Folge der Krise wurde in der EU, aber insbesondere im Euro-Raum, die Überwachung der Budgetpolitik, Strukturpolitik und der Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten massiv verbessert – Verschärfung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes, „Sixpack“, „Twopack“, sowie ein Verfahren zur Vermeidung von Makroökonomischen Ungleichgewichten; zusätzlich wurde von 25 Mitgliedstaaten ein Fiskalpakt mit Schuldenbremse abgeschlossen.
Zur Krisenprävention wurden EU Aufsichtsbehörden für Banken, Versicherungen, Kapitalmärkte geschaffen und ein European Systemic Risk Board (ESRB) zur Frühwarnung vor systemischen Risiken eingerichtet und die Finanzmarktregulierung verstärkt.
Weiters wurden die EU-Zahlungsbilanzfazilität 50 Mrd. EUR, bilaterale Kredite für Griechenland 52,9 Mrd. EUR, die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) 440 Mrd. EUR, der Europäische Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM) 60 Mrd. EUR und der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) mit 500 Mrd. EUR, für die Finanzierung einer geordneten Anpassung in den Krisenländern geschaffen.
Zusätzlich hat das Eurosystem durch sein Securities Market Programme (SMP) etwa 210 Mrd. EUR an Staatsanleihen von Krisenländern gekauft und den Banken langfristige Liquidität (3 Jahre) im Rahmen der Long Term Refinancing Operation (LTRO) von etwa 1000 Mrd. EUR zur Verfügung gestellt.

Zitat

Die Einheit Europas war ein Traum weniger. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für alle.

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