• Lia Gobiet

Eine universale Identität als Auslandsstudentin

Laut meiner Geburtsurkunde bin ich Grazerin. Das bedeutet also auch, dass ich Steirerin bin. Mein Reisepass vergrößert das Spektrum nochmals und legt meine Nationalität als Österreicherin fest. Jedoch liegt mein Lebensmittelpunkt, durch mein Auslandsstudium, in den Niederlanden. Also bin ich dann doch eher Niederländerin? Oder kann man verallgemeinert sagen, dass ich einfach Europäerin bin? Egal, was welches Dokument wie festlegt, die Hauptfrage ist, als ,,was‘‘ oder wer sehe ich mich? Das ist wohl eine der komplexesten aber zugleich einfachsten Fragen, mit der ich mich in meinem letzten Blog vor den Sommerferien befassen werde.


Wie bereits in vorherigen Blogs erwähnt, denke ich, dass man durch ein Auslandsstudium seine Heimat nicht aufgibt, sondern eher eine zweite Heimat dazugewinnt. Aus diesem Grund kann ich vorneweg sagen, dass ich mich nicht entscheiden muss- oder kann- als ,,was“ ich mich sehe. Wenn ich diese Frage relativiere, wird es ein bisschen konkreter. Im Kontext mit TouristInnen in Amsterdam, sehe ich mich eindeutig als einheimische Niederländerin und kann mich klar vom Tourismus differenzieren. Weiters für eine Identifikation als Niederländern spricht, dass meine Nationalität zuletzt sogar im Register der ,,International Dance Organisation‘‘ von Österreichisch auf Niederländisch ,,geändert“ werden musste. Der Grund dafür ist, dass ich mit einer niederländischen Mannschaft bei den nächsten internationalen Bewerben teilnehmen werde. Dementsprechend tanze ich paradoxerweise als ,,Niederländerin“ bei der nächsten HipHop-Weltmeisterschaft, welche in Graz stattfindet.

Befinde ich mich jedoch beispielsweise in einer Gruppe mit AmerikanerInnen, so werde ich als Europäerin angesehen. Spreche ich mit Deutschen, so ist meine Nationalität ganz klar als Österreicherin festgelegt. Unterhalte ich mich wiederum mit ÖsterreicherInnen, so wird meine Nationalität als Steirerin identifiziert. Ist mein Gegenüber jedoch Steierin, so werde ich als Grazerin bezeichnet. In Graz selbst, wurde ich nicht als Grazerin angesehen, da ich gar nicht direkt in Graz gewohnt hatte.


,,Nationalität“ und ,,Zugehörigkeit“ sind banale Konzepte, die keine fixen Grenzen besitzen. Bei diesen Konzepten ist alles relativ. Aus diesem Grund habe ich diese Frage als gleichermaßen komplex, wie auch simpel eingestuft. Das Simple daran ist, dass es keine richtige oder wahre Antwort auf die Frage gibt. Das Komplexe ist dasselbe: Es gibt keine einheitliche Antwort auf diese Frage, was zu verschiedenen Antworten meinerseits in verschiedenen Kontexten führt.

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass die verschwimmenden Grenzen der ,,Zugehörigkeit“ dann vielleicht zu einer universalen Antwort führen: Ich bin stolz das Privileg zu besitzen, meine Identität nicht auf ,,Grazerin“, ,,Steirerin“, ,,Österreicherin“, ,,Niederländerin“ oder ,,Europäerin“ festlegen zu müssen. Dementsprechend identifiziere ich mich als alles Obenstehende und wiederum als nichts davon.

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